"Made in China" ist nicht per se schlecht

Dieses Thema im Forum "Motorrad - Allgemein" wurde erstellt von Benzinfahrer, 19.03.2018.

  1. Ich muss mal eine Lanze für Bikes aus China brechen, die im Volksglauben durch die Bank minderer Qualität sind. Ganz so einfach ist es leider, oder Gott sei Dank, nicht.
    Das mit dem schlechten Ruf hat so vor 10 Jahren begonnen, als "findige" Roller-Händler entdeckten, dass man in China billig Roller kaufen kann. Also haben die Jungs, bar jeglicher Ahnung vom Markt, die billigsten Roller aus China importiert und zu vermeintlichen Dumping-Preisen auf den deutschen Markt geschmissen. Schlechteste Qualität ohne Werkstatt-Netzwerk oder Teileversorgung. Das Geschäft wollten sich Baumärkte und Supermarktketten nicht entgehen und Kleinstimporteuren überlassen und sind selbst mit auf den Zug aufgesprungen. Wie sollte das gut gehen? Kennt jemand einen Supermarkt mit Werkstatt und Teilelager?
    Ja, und damit war's perfekt, den Ruf von Zweirädern aus China ganz runter zu bringen. Nicht zu unrecht.

    Nun ist es so, dass nicht die Produkte aus China generell schlecht sind, sondern die meisten Importeure einfach nur die Billigschiene fahren. Und wenn man billigst einkauft um bei uns den Reibach zu machen, darf man nichts erwarten. Wobei man schon etwas dazugelernt hat. Die kleinen Direktimporteure sind praktisch verschwunden, meist steht jetzt eine "Marke" dahinter, die zumindest eine gewisse Beruhigung in Sachen Reparatur und Ersatzteile bietet. Aber das mit der Billigschiene versucht man immer noch zu etablieren.

    Tatsächlich ist es so, dass auch in China durchaus hochwertigste Produkte gefertigt werden können und werden. Ist ja schließlich eine Raumfahrtnation. Nur liefert man halt das, was gewünscht wird. Wenn's billig sein soll, hat's halt entsprechende Qualität.
    Und es gibt eben die eigentlich für den asiatischen Markt gefertigten Motorräder, die einen völlig anderen Anspruch erfüllen sollen als es der unsere ist.
    Dazu gehören dann Marken wie Mash, Romet und eben Brixton, die solche "asiatische Stangenware" importieren und umlabeln, um diese dann vermeintlich billig aber mit immer noch ordentlich Gewinn auf den deutschen Markt bringen. Aber eben Maschinen, die unseren Ansprüchen nicht genügen.

    Andererseits gibt es auch durchaus hochwertige Motorräder aus China, die eben nach Vorgaben auf europäischem Niveau gefertigt werden. Was natürlich auch kostet und letztlich eine hochqualitative Maschine aus China preislich kaum unter den etablierten Marken gleicher Qualität liegen.
    Es ist also nicht das Fertigungsland das entscheidend ist, sondern wer dahinter steht. Royal Enfields werden schon seit fast hundert Jahren nicht nur in Enfield sondern traditionell im Zuge des Comenwealth in Indien gefertigt, Suzukis werden u.a. in Spanien bei Montesa gebaut, Vespas kommen seit einigen Jahren aus China, BMW hat weltweit Werke (auch in China), Porsches kommen nicht nur aus Sindelfingen sondern auch aus Tschechien usw. Die Liste liese sich noch beliebig fortsetzen.
    Also ist das schwarz-weisse Schubladendenken zgl. des Herstellerlandes längst überholt. Was es Manchen natürlich schwer macht, seine Entscheidung nicht nach einem Klischee zu fällen. Letztlich ist aber der Preis schon mal ein Indiz für die zu erwartende Qualität. Für wenig Geld gibt's halt wenig Qualität aber dafür möglicherweise hohe Folgekosten. Aber das bleibt dem Anspruch und dem Geldbeutel eines jeden Einzelnen belassen.

    Und als historische Erinnerung: Einige können sich evtl. noch an die späten 60er/ frühen 70er erinnern, als Japaner als Reiskocher und der letzte Mist verschrieen waren. Heute wäre es schon fast ein Frevel, an Honda, Suzuki und Kawasaki zu mäkeln, die das Mainstream-Maß der Dinge darstellen.
     
    joredam gefällt das.
  2. woody69

    woody69 Mitglied

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    Ist ja nun auch keine neue Erkenntnis. Nur bewegen wir uns hier im Brixtonforum eben genau in dem "billigeren" Segment:D
    Und die Alternativen zur Brixton eben auch;) Das Andere sind keine Alternativen oder Konkurenz, es sind andere Welten.
     
  3. Naja, für Manche wohl schon. Man bemängelt hier auf dem Forum doch immer wieder fertigungsspezifische Mängel. Ich wollt's halt nur mal für alle zusammenfassen, die das Wissen noch nicht hatten. Und jetzt vielleicht weniger enttäuscht von der Qualität ihrer Brixton sind. Und ein bisschen Hintergrundwissen kann ja nicht schaden.

    Bzgl. der "Alternativen" beziehst du dich vermutlich auf meine Postings in dem Threat "Alternativen zu Brixton". Natürlich sind das alles Alternativen. Ob von gleicher Qualität oder im gleichen Preissegment oder nicht. Dass man da zum gleichen Preis nur gleiche Qualität erwarten darf, erschließt sich ja aus diesem Threat. Aber eben alternativ andere Optik, Abmessung etc.
     
  4. woody69

    woody69 Mitglied

    Beiträge:
    167
    Ich meine vor allem die preislichen Alternativen. Ich denke der überwiegende Teil der Käufer hier hat sich vor allem des Preises wegen für eben dieses Design(oder " Boah! Geile Karre und dann noch für den Preis") dafür entschieden.
    Für diejenigen wo Geld nicht so die Rolle spielt schauen wohl eher bei etablierten Marken.
    Das die dann locker doppelt so teuer sind und von besserer Qualität wurde hier ja schon diskutiert. Gilt ja meist auch in anderen Bereichen des Lebens. Qualität kostet:)

    Und was China angeht, da lassen auch Apfel und Samsung produzieren. Beides Marktführer. Also es kommt auch klar Qualität aus China.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19.03.2018
  5. Ja, da hast du schon recht. Aber es gibt halt auch noch ein paar geile Alternativen zum ähnlichen Preis. Und oft geht's halt auch nicht wirklich um den Preis sondern die Optik. Und es gibt halt viele relativ unbekannte Marken, die nicht das Marketing von Brixton betreiben und auch geile Bikes im Angebot haben. Und viele sich für Brixton entscheiden, obwohl sie für ein geiles exclusives Retro-Bike gerne auch mehr ausgeben würden. Aber halt keine Alternative kennen. Oder der Brixton-Fahrer sich in seiner Wahl bestätigt fühlt, gerade weil er die Alternativen kennt. Ich beschäftige mich jetzt schon seit einiger Zeit mit Retro-Bikes und finde es nicht verwerflich, anderen die Mühen einer Suche zu ersparen. Ich weiß selbst, wie schwierig es ist, das individuell perfekte Motorrad zu finden und eine große Auswahl macht es nicht leichter. Wobei für mich nur ab 250ccm in Frage kommt, was die Auswahl reduziert. Der 125er-Markt ist dagegen überflutet.

    Aber diese Diskussion ist in diesem Threat eigentlich völlig fehl am Platze und gehört eindeutig in den Threat "Alternativen zu Brixton". Vielleicht mag der Admi das verschieben?
     
  6. KTM läßt jetzt auch in China produzieren.

    Quelle: MOTORRAD Ausgabe 06/2.3.2018, Seite 8
     
  7. DieselDriver

    DieselDriver Mitglied

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    452
    BMW auch und die Qualität passt!
    Harley glaube ich, auch.
     
  8. Ja, Harley. Was sind die doch immer grosskotzig mit ihrem "Made in USA" und Milwaukee. Tatsächlich ist es aber so, dass die kleinen Harleys für Europa und Asien zwar nicht in China aber dafür in Indien gebaut werden. Zu entnehmen einem Bericht über die schlechte Lage von Harley, Produktionsverlagerungen und Entlassungen in den USA in der aktuellen Motorrad 06/18.
    Und auch bei Harley gibt's grosse Rückrufaktionen wegen ausfallendem ABS. Ein ähnliches "Vergnügen" kann man mit einer Brixton und falsch angezogenen Schrauben für viel weniger Geld haben!
     

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