Von unfreiwilliger Abstinenz, Abtrünnigkeit und ein kurzes Lebenszeichen...

RinKur

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Hallo an alle!

Einige haben es schon mitbekommen:
Ich bin lange Zeit nicht mehr im Forum gewesen. Eigentlich bin ich lange Zeit schon nicht mehr im "normalen" Leben gewesen. Da ich die überaus herzliche Art hier im Forum mittlerweile sehr ins Herz geschlossen habe, möchte ich nicht einfach so "verschwinden" ohne irgendeine. Eigentlich möchte ich gar nicht verschwinden, aber ich werde auch die nächste Zeit eher stille, unregelmäßige Mitleserin sein.
Vieles ist in den letzten Monaten passiert. Meine kleine Prinzessin ist ein super tolles Kita-Kind geworden, mein großer Raufbold bereitet sich auf die Schule nächstes Jahr vor und hat Spaß am Karate und Fußball gefunden. Meine Frau hat einen neuen Job gefunden in einen kleinen MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) mit 3 weiteren Ärzten, ohne Nacht- oder Wochenenddienste, geregelten Arbeitszeiten und einen schönen kurzen Fahrweg. Bei meinen neuen Job nach der Elternzeit ist nun die Probezeit zu Ende gegangen und glücklicherweise will mein Chef mich auch nicht mehr gehen lassen.
Eigentlich klingt das alles super toll und nach einen fast schon perfekten Leben. Aber gerade dieses "fast" ist etwas, was mich nun seit einiger Zeit schon im tiefsten Loch der Welt reinzieht.
Mein Vater hatte letztes Jahr die Diagnose Darmkrebs erhalten. Ihm wurde ein 18cm dicker Tumor aus dem Dickdarm entfernt und er bekam einen Stoma (aka "Kacke-Beutel am Bauch"). Nach 370 Tagen, 2 Chemotherapien + Bestrahlung, weiteren 3 OPs (davon eine Not-OP, weil seine Narbe aufriss und er fast jämmerlich verblutet wäre), ist sein Stoma seit Ende Juli weg. Der Krebs allerdings nicht. Dieses fiese Monster von Krankheit hat sich verbreitet und nun befinden sich kleine Metastasen im Dünndarm und eine Metastase von 15mm im Bauchfell. Wer sich etwas mit Medizin und allgemein Krebs auskennt, der weiß: Hat der Krebs trotz zweimal Chemo und Bestrahlung Metastasen gebildet, dann wird das ein Leben mit Krebs bis zum Tod.
Der Onkologe meint, wenn die nächste Chemo anschlägt, kann er noch 2, vielleicht 3 Jahre haben. Mit einer OP, die seine komplette Verdauung eliminieren würde und er wieder am Stoma hängt, vielleicht noch mehr, aber diese lehnt mein Vater komplett ab (verständlich). Wenn die Chemo nicht anschlägt oder er keine möchte, dann sind es Monate, wenn sogar nur Wochen...
An dieser Stelle kann ich berichten, dass mein Vater noch lebt und es ihm den Umständen entsprechend "gut" geht. Er ist müde, abgekämpft, hat aber Witz und Humor nicht verlernt. Aber er weiß, dass seine Chancen schlecht stehen und sobald er etwas mehr bei Kräften ist, beginnt seine nächste Chemo. Sein Ziel ist die Einschulung seines Enkels nächstes Jahr.

Während ich dies schreibe, hier in den Momenten, die ich nur für mich habe, weine ich und breche innerlich zusammen. Ich bin nicht bereit, meinen Vater an diesen f*cking Krebs zu verlieren und ich werde es auch nie sein. Diese Momente, in denen ich mich hemmungslos fallen lassen kann und die Wut, den Schmerz und die Trauer über all diesen Mist herauskommen, sind sehr selten, da a) ich für die Kinder da sein muss, b) im Job noch halbwegs funktionieren muss und c) ich nicht vor meinen Eltern zusammenbrechen kann.
Mein Großer, der von Anfang an wusste, was Opa hat und was da gerade mit ihm passiert, wird nun langsam von uns aufgeklärt, dass Opa unheilbar krank ist und was die Folgen davon sind. Bei der Kleinen ist nicht viel zu tun, da sie mit ihren 1.5 Jahren höchstwahrscheinlich keine Erinnerungen mehr an ihn haben wird, wenn sie größer ist.

Durch die ganze Situation, in der wir uns nun seit fast 1.5 Jahren befinden und die sich in den letzten Monaten so drastisch verändert hat, bin ich auch wenig bis gar nicht zum Motorrad fahren gekommen. Der Kopf war zu voll und ich konnte mich einfach nicht als "Frischling" auf alles konzentrieren, wie ich es sollte. Drum hat meine Brixton auch einen neuen Besitzer bekommen, der sie hoffentlich regelmäßiger fährt als ich.
So ganz ohne zweirädrigen, motorisierten Untersatz wollte ich aber auch nicht sein, also ist ein kleiner Motron-Roller (Ideo 125) mit den liebevollen Namen "Hummelpopo" zu uns gezogen. Nächste Woche ist Versicherung und Kennzeichen durch und dann wird vielleicht noch der ein oder andere schöne Herbsttag genutzt. Proberunde war schon ganz gut und ich hab gemerkt: Das klappt auch, weil "nur am Hahn ziehen" ohne SchnickSchnack mir gerade einfach genügt.

Ihr seht: Das Leben ist eine Bitch und das Schicksal hat mir ordentlich in den Popo gerammelt.
Wenn die Zeit es zu lässt, schaue ich wieder öfters rein und berichte vom "langweiligen Roller fahren".

Zum Schluss sei noch gesagt:
Haltet euch wacker und geht zu Vorsorge-Untersuchungen.
 

Mao

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Haycrofter
Gott...
Habe das Lesen abbrechen müssen da mir, während ich eigentlich gerade lachend durch die Gegend hüpfte, die Tränen kamen.
Ich wünsche dir einfach nur alles Gute denn sonst könnte dir nur mit Standard Sprüchen kommen aber das nützt dir nichts.
🙏
 

HapeRayburn

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kann ich komplett Nachvollziehen, obwohl mein Vater sehr alt war , ging es eigentlich viel zu schnell als er uns verließ .. kurz vor dem 1. Lockdown .. Silvester zuvor hatten wir noch ganz toll mit guten freunden gefeiert, als ob er gewusst hat
kein Vergleich wahrscheinlich aber die Machtlosigkeit ist wohl ähnlich
Ich wünsche Dir ganz Viel Kraft !!!
HP
 

Chris66

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Alles Gute und haltet durch, wir drücken Euch!

Deinen Aufruf zur Vorsorgeuntersuchung kann ich nur unterstreichen, wir haben diese Woche einen lieben 48 jährigen Familienvater und Arbeitskollegen begraben.
 

RinKur

Rasendes Rennschnecken-Mädchen
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Motron Ideo 125
Danke für eure lieben Worte.

Ich hatte lange überlegt, wie ich es schreibe, ob ich es schreibe... Ich bin eigentlich niemanden eine Erklärung schuldig, allerdings weiß ich, dass verkriechen und alles in sich hineinfressen wiederum kein Weg ist, der gut für mich wäre.

Was ich vielleicht noch hinzufügen sollte: Mein Vater ist 70... Kein Jungspund mehr, aber auch kein Alter zum Sterben. Er hatte nie geraucht, Alkohol schon vor 2 Jahrzehnten auf "max. 2 Bier bei Feierlichkeiten" reduziert. Selbst in den letzten 8 Jahren hat er viel auf sich geachtet, 20kg abgenommen, mehr Bewegung wie Radfahren und Wandern.
Und wenn man dann meinen Schwiegervater sieht: 4 Jahre älter als mein Vater, Kettenraucher, Alkoholiker, Bluthochdruck zum Himmel, adipös + jedes Jahr 2 kg mehr auf den Rippen, verdammter Narzisst, Egoist, Depp hoch 10, Dorf-Rassist, homofeindlich.......... DER HAT VERDAMMT NOCHMAL NIX!!! So gar nix.
 

Katerhai

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Kurz bevor die Sonne wieder aufgeht, ist es meißt an dunkelsten.
Ich habe das mit meinem Vater schon vor ein paar Jahren durchgemacht. Wenn es vorbei ist, wird es langsam besser. Langsam aber stetig. Glaub mir...

Ivo
 

Argilas von Phaalen

In der Ruhe liegt die Kraft!!
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Felsberg 125 mattschwarz!!
Hallo an alle!

Einige haben es schon mitbekommen:
Ich bin lange Zeit nicht mehr im Forum gewesen. Eigentlich bin ich lange Zeit schon nicht mehr im "normalen" Leben gewesen. Da ich die überaus herzliche Art hier im Forum mittlerweile sehr ins Herz geschlossen habe, möchte ich nicht einfach so "verschwinden" ohne irgendeine. Eigentlich möchte ich gar nicht verschwinden, aber ich werde auch die nächste Zeit eher stille, unregelmäßige Mitleserin sein.
Vieles ist in den letzten Monaten passiert. Meine kleine Prinzessin ist ein super tolles Kita-Kind geworden, mein großer Raufbold bereitet sich auf die Schule nächstes Jahr vor und hat Spaß am Karate und Fußball gefunden. Meine Frau hat einen neuen Job gefunden in einen kleinen MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) mit 3 weiteren Ärzten, ohne Nacht- oder Wochenenddienste, geregelten Arbeitszeiten und einen schönen kurzen Fahrweg. Bei meinen neuen Job nach der Elternzeit ist nun die Probezeit zu Ende gegangen und glücklicherweise will mein Chef mich auch nicht mehr gehen lassen.
Eigentlich klingt das alles super toll und nach einen fast schon perfekten Leben. Aber gerade dieses "fast" ist etwas, was mich nun seit einiger Zeit schon im tiefsten Loch der Welt reinzieht.
Mein Vater hatte letztes Jahr die Diagnose Darmkrebs erhalten. Ihm wurde ein 18cm dicker Tumor aus dem Dickdarm entfernt und er bekam einen Stoma (aka "Kacke-Beutel am Bauch"). Nach 370 Tagen, 2 Chemotherapien + Bestrahlung, weiteren 3 OPs (davon eine Not-OP, weil seine Narbe aufriss und er fast jämmerlich verblutet wäre), ist sein Stoma seit Ende Juli weg. Der Krebs allerdings nicht. Dieses fiese Monster von Krankheit hat sich verbreitet und nun befinden sich kleine Metastasen im Dünndarm und eine Metastase von 15mm im Bauchfell. Wer sich etwas mit Medizin und allgemein Krebs auskennt, der weiß: Hat der Krebs trotz zweimal Chemo und Bestrahlung Metastasen gebildet, dann wird das ein Leben mit Krebs bis zum Tod.
Der Onkologe meint, wenn die nächste Chemo anschlägt, kann er noch 2, vielleicht 3 Jahre haben. Mit einer OP, die seine komplette Verdauung eliminieren würde und er wieder am Stoma hängt, vielleicht noch mehr, aber diese lehnt mein Vater komplett ab (verständlich). Wenn die Chemo nicht anschlägt oder er keine möchte, dann sind es Monate, wenn sogar nur Wochen...
An dieser Stelle kann ich berichten, dass mein Vater noch lebt und es ihm den Umständen entsprechend "gut" geht. Er ist müde, abgekämpft, hat aber Witz und Humor nicht verlernt. Aber er weiß, dass seine Chancen schlecht stehen und sobald er etwas mehr bei Kräften ist, beginnt seine nächste Chemo. Sein Ziel ist die Einschulung seines Enkels nächstes Jahr.

Während ich dies schreibe, hier in den Momenten, die ich nur für mich habe, weine ich und breche innerlich zusammen. Ich bin nicht bereit, meinen Vater an diesen f*cking Krebs zu verlieren und ich werde es auch nie sein. Diese Momente, in denen ich mich hemmungslos fallen lassen kann und die Wut, den Schmerz und die Trauer über all diesen Mist herauskommen, sind sehr selten, da a) ich für die Kinder da sein muss, b) im Job noch halbwegs funktionieren muss und c) ich nicht vor meinen Eltern zusammenbrechen kann.
Mein Großer, der von Anfang an wusste, was Opa hat und was da gerade mit ihm passiert, wird nun langsam von uns aufgeklärt, dass Opa unheilbar krank ist und was die Folgen davon sind. Bei der Kleinen ist nicht viel zu tun, da sie mit ihren 1.5 Jahren höchstwahrscheinlich keine Erinnerungen mehr an ihn haben wird, wenn sie größer ist.

Durch die ganze Situation, in der wir uns nun seit fast 1.5 Jahren befinden und die sich in den letzten Monaten so drastisch verändert hat, bin ich auch wenig bis gar nicht zum Motorrad fahren gekommen. Der Kopf war zu voll und ich konnte mich einfach nicht als "Frischling" auf alles konzentrieren, wie ich es sollte. Drum hat meine Brixton auch einen neuen Besitzer bekommen, der sie hoffentlich regelmäßiger fährt als ich.
So ganz ohne zweirädrigen, motorisierten Untersatz wollte ich aber auch nicht sein, also ist ein kleiner Motron-Roller (Ideo 125) mit den liebevollen Namen "Hummelpopo" zu uns gezogen. Nächste Woche ist Versicherung und Kennzeichen durch und dann wird vielleicht noch der ein oder andere schöne Herbsttag genutzt. Proberunde war schon ganz gut und ich hab gemerkt: Das klappt auch, weil "nur am Hahn ziehen" ohne SchnickSchnack mir gerade einfach genügt.

Ihr seht: Das Leben ist eine Bitch und das Schicksal hat mir ordentlich in den Popo gerammelt.
Wenn die Zeit es zu lässt, schaue ich wieder öfters rein und berichte vom "langweiligen Roller fahren".

Zum Schluss sei noch gesagt:
Haltet euch wacker und geht zu Vorsorge-Untersuchungen.
Mein Mitgefühl liebe Rennschnecke, Stay Strong! Mehr kriege ich grade nicht zusammen! 🥺🥺🥺🙏🙏🙏🙏🙏

G.L.G. Karl - Heinz
 

Brixtongrad

Ihr habt die Uhr ich hab die Zeit........
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Mein Vater ist auch an Darmkrebs gestorben, hatte meine Vorsorgeuntersuchung vor 2 Monaten, schlafen mit propofol, das ist das mit dem der Jackson immer schlafen gegangen ist😎..... bei mir passt alles keine Polypen u.s.w.......
 

iSi

...es ist ja, wie es ist... it is what it is…
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Brixton-Fan(a)tic-Mash
Liebe Rinkur @ Rinkur
klingt alles dramatisch und nicht schön…
da wir in der Familie seit zwei Jahren eine ziemlich ähnliche Scheîßtumorkacke erleben, kann ich sehr gut nachempfinden, was Du durchmachst.
erstaunlich wie offen Du damit umgehst…
Respekt
Ich wünsche Dir, Deinem Vater, Deiner Family viel Kraft und Stärke und eine ordentliche Portion Glück.
Werde Deine Anwesenheit hier vermissen, habe sie vermisst … aber das Leben ist keine Einbahnstraße , es gibt immer Wege die zurück führen…wobei der spannendste ist immer der, der vor einem liegt…
ich wünsche euch einen guten Weg…umfahrt die Hindernisse und haltet den Blick auf den Horizont.
ganz liebe Grüße
Hardy
 

Cirrus

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BX 125
Liebe kleine Rennschnecke,
Ich schließe mich allem an, was die anderen Kumpels und Kumpelinen schon geschrieben haben.
Wenn gar nichts anderes geht, stehen wir zu unseren Aussagen. Du weißt, wie du uns anfunken kannst.

Liebe Grüße, viel Kraft und verlier bitte niemals deinen wundervollen Humor, sondern Gib ihn an deine lütten weiter.
Hol di munter
Cirrus
 

RinKur

Rasendes Rennschnecken-Mädchen
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Danke nochmals an alle. Die lieben Worte helfen.

Wie schon gesagt, weg bin ich nicht. Bestimmt kommt auch der ein oder andere (freche) Beitrag von mir. Aber es wird halt weitestgehend auf "mitlesen & Liken" hinauslaufen.
 

Kloppe

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Felsberg XC in Felsberg Optik
Ich wünsche dir viel Kraft. Am 13.8 vor 10 Jahren ist mein Vater dem Krebs erlegen. Ich habe ihn während meines Studiums neben meiner Familie noch ein Jahr gepflegt. Bauspeicheldrüsenkrebs war es. Fies wurde es erst nach seinem Tod, da hat am dann Zeit nach zu denken.

Vor 3 Jahren hat mein großer Sohn einen hirntumor diagnostiziert bekommen was.

Viel Kraft und alles Glück der Welt an deinen Vater und euch.
 

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