Tour Gib mir mal 2 Tage

Schlack

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ne 125er Felsberg
Ich musste raus - und ich hatte Zeit - und eine Einladung bei einem Freund.

Also Ölstand kontrolliert, Kette gewachst, Blinkerflüssigkeit aufgefüllt - Felsberg ist fahrbereit. Kurz den Inhalt des Wandersrucksack auf Status Heckrolle umgestrickt und selbige "montiert". Damit war die übliche Ausrüstung in den Seitentaschen (Werkzeug, Öl, Regenkluft, Bröselkaffee und 1L Wasser) um Schlafsack, Isomatte, Tarp, Wechselwäsche, Gaskocher, noch nen Liter Wasser nebst Flasche und Tasse, Wechselwäsche, Wasserfilter und Badehose ergänzt. Zwei MREs flogen ebenfalls dazu, falls ich am Sonntag keine Verpflegung auftun würde. Und diesmal hatte ich sogar ne Karte mit, die ich später tatsächlich nutzen musste.

Und dann gings los.
Samstag gegen 11°° Uhr bin ich vom Hof gerollt. Bei sagenhaften 30°C, blaustem Himmel und voller Vorfreude. Mein Zeitfenster bis zur erwarteten Ankunft in der Unterkunft war dreifach größer als die eigentliche Strecke. Das nahm ich als sportliche Herausforderung an.
Nur für die Doku der Kilometerstand zu Beginn:
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Ja... Sprit hab ich natürlich auch noch nachfüllen müssen, dass ist dann in Strullendorf geschehen - 8 Liter haben in die Felsberg gepasst, dann war fast zu voll. Aufgrund einer Straßensperrung - die Brücke der B22 über die B505 ist einsturzgefährdet - kam es zu den ersten paar Autobahnkilometern. Sei´s drum, die A73 habe ich bei Breitengüßbach verlassen um mich in die Niederungen und Höhen der Haßberge zu schlagen.
Da ist alles etwas kompakter. Die Straßen schmal, die Kurven eng, viele Bächlein gestalten die Auwaldtäler und ich bekam den ersten dicken Käfer an den Helm. Droben auf der Höh - genoß ich den Sommer - und die freie Fahrt.

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Den Pulli, den ich unter meinem Schutzpulli anhatte, bin ich ziemlich flott wieder losgeworden. Es war einfach viel zu warm. Bin tatsächlich auch viel mit offenem Visier gefahren, die Zugluft brachte doch einiges an Erleichterung.

In Ebern mal kurz die Altstadt gekreutzt und weiter Richtung Coburg. Unterwegs hab ich dann tatsächlich ein kleines Schlösslein aus den Wäldern spitzen sehen, dass ich mir angucken musste. So habe ich Schloss Hohenstein (Home | Schlosshotel Hohenstein – Coburg) aufgetan. War echt nett da, viel Kreatives und es gab sogar Kuchen. Für ein in meinen Augen nicht ganz angemessenes Geld, lecker war er aber trotzdem. Hab dort etwas ausgedampft und das "Gemäuer" ein kleines bisschen erkundet.

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Der Weg raus ausm Wald war dann wieder Glückseligkeit für die Felsberg.

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Dann war ich schon fast in Coburg, dass ich über Seitensträßen erreichte. Die Bundesstraße habe ich bewusst gemieden. Die Stadt selber musste ich einmal queren und war wiedermal von den historischen Gebäuden - auch den alten Bürgerhäusern - echt beeindruckt. Das sieht so ganz anders aus, als unsere Neubaugebiete. Wieder draußen bin ich das erste Mal an einem "ehemalige deutsche Grenze" Schild vorbeigesaust. Diese Grenze hat mich dann eigentlich bis kurz vor der Heimkehr immer irgendwie begleitet.

In Sonneberg hab ich mir dann eine Einfahrt in den Thüringer Wald gesucht. Gefunden habe ich die deutsche Spielzeugstraße, die neben interessanten Kurven und entsprechend den Resten des Thüringer Waldes auch mit viel Leerstand und Verfall glänzt. Ganz allgmein hatte ich den Eindruck, dass beides sowohl in Bayern als auch in Thüringen zugenommen hat.

In der Glasstadt Lauscha konnte ich diesen Eindruck festhalten:
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Den Thüringer Wald hat´s schon bös erwischt die letzten Jahre. Aber weiter bergan. Neuhaus am Rennweg war die nächste größere Ortschaft. Inklusive Ampel, Baustelle und Verkehr. Der hat aber ab Ortschild direkt wieder nachgelassen. Meine Felsberg trug mich brav weiter. Diesmal folgten wir der Thüringer Porzellan Straße gen Norden. Wie auch in Bayern - sobald du runter bist von der Bundesstraße ist´s vorbei mit der Qualität des Belages. Da hab ich mir schon zwischenzeitlich mal ne andere Dämpfung gewünscht. Die Strecke selbst, war´s trotzdem wert. Relativ leer, kurvig und landschaftlich spannend.

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Weiterhin war jede Kreuzung ein Spiel mit den Himmelsrichtungen. Meistens nord - aber das geht ja nicht immer. ;-) Nach einem garnicht mal so flachen Anstieg - was bin ich froh über den Sportluftfilter, der hat da echt Power in die Maschine gebracht - leuchtete mich direkt wieder eine Burg an, die dann tatsächlich doch als Schloss tituliert ist. Schloss Schwarzburg. Dort hat einmal ein Herr F. Ebert eine Weimarer Verfassung unterschrieben. Irgendwo im Nirgendwo... Aber doch ziemlich in der Mitte.

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Von da an gings noch weiter im Naturpark Thüringer Wald bis nach Ilmenau, wo ich mir erstmal 1,5L Mineralwasser in den Körper gefüllt habe. Allgemein mach die Lust am Fahren eher weniger durstig als ich dacht. Da werde ich bei den nächsten Touren im Sommer besser drauf merken müssen. Von Ilmenau ging hoch bis kurz vor Arnstadt, wo mich Gastfreundschaft mit lecker totem Tier von über der Feuerstelle erwartete. Die Nacht war nicht mehr jung, als wir das Lagerfeuer löschten und ich mich in meinen Schlafsack verkroch.

Der nächste Tag startete mit einem ergiebigen Frühstück und einem seltsamen Geruch. Es roch nach Regen... Ich hab gemacht dass ich loskam und das war auch gut so. Arnstadt wurde gekreuzt und ich durchfuhr ein Stück Land, wo ich schon immer mal vorbei schauen wollte. Das Jonastal, fahrtechnisch göttlich, landschaftlich ehrlich vielseitig und historisch bin in die heutige Zeit interessant, da die Hänge dort durchzogen von Bunkeranlagen sind deren Bau im 3. Reich bekann und die teilweise noch immer "bewirtschaftet" sind. Deswegen finden sich dann auch immer wieder Sperrschilder mit der Aufschrift "Militärischer Sicherheitsbereich - Betreten verboten" an der Straßenseite. Außerdem gibts da ordentlich Wölfe hab ich gelernt. Also nicht die richtige Ecke zum wildcampen.

Die Einfahrt in´s Jonastal war nett dekoriert und lässt doch jedes Bikerherz etwas höher schlagen, oder?

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Das ist die Schautafel am anderen Ende des Tales. Zwischendurch bin ich nur gefahren. Das war echt fein.
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Hier noch was fluffiges für Aug und Ohr. Wurde mir empfohlen und ich könnt mich kringeln.

Weiter gings nach Ohrdruf, wo ich die Pause, in der ich meine Regenkluft anziehen musste, auch für ein Tank auffüllen nutzte. Knappe 6 Liter haben reingepasst.

Nun ging´s mit neuer Zielrichtung eher gen Westen. Das Wetter besserte sich flott und ich hab die Regenkombi recht schnell wieder verstaut. Bei Kaiserwetter erreichte ich Eisenach. Da bin ich natürlich mal durch die Altstadt gefahren und habe auch etwas Sightseeing betrieben.

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Das Burschenschaftsdenkmal ist schon recht imposant. Am Vortag war wohl eine Veranstaltung dort, gab allerlei schwarz rot gold zu sehen. Ich bekam den Tipp, dass eine Schranke offen sei und ich ruhig bis hoch fahren könne. Das hab ich dann auch gemacht, was zu fragenden Blicken der anwesenden Touriste/Gäste führte.

Das angrenzende Langemarkmahnmal hat auch seinen Eindruck bei mir hinterlassen. Und wenn man dann von dort oben in die Welt guckt, dann ist da wieder so ne Burg...

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Dort war ich auch schon lange nicht mehr. Und auch diesmal habe ich die Wartburg nicht heimgesucht - ich wollte weiter. Zuviel laufen ist schlecht für die Felsberg, hab ich gehört. Außerdem war der Tag noch lange nicht vorbei.
Weiter gings in´s Bergbaugebiet bei Vacha und damit auch in die Röhn. Vacha selbst hat einiges an Geschichte zu bieten. Die Altstadt ist nicht all zu groß aber nett hergerichtet. Und natürlich hat´s "Grenze"

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Von hier aus ging´s hinein in die Röhn und damit in´s hessische Kegelspiel. Wer den Öchsen - den Hausberg Vachas - mal besteigt, kann diese Bergformationen in Ruhe genießen. Hab ich schon, musst ich nicht nochmal. Vor allem nicht mit´m Mopped, das kommt immer so uncool im Naturschutzgebiet. Auf meinem Weg hab ich dann erneut die "Grenze" passiert.

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Der Checkpoint Alpha ist beeindruckend. Ich durfte Ausstellung und Grenzüberreste begleitet und kommentiert vor etwa einem Jahr mit einem "Zeitzeugen" durcharbeiten. Eine Empfehlung für alle, die mal die Erinnerung aufgefrischt brauchen.

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Mehr als auf dieser Windfahne steht brauchts nicht mehr dazu zu sagen. Peace-Frieden-MIR

Jaaa, ich hab dann mal wieder die Regenkombi angezogen, nur um sie bei Buchenau wieder in den Satteltaschen zu verräumen. Dann gings auf allerlei Sträßlein nach Niederaula, wo ich einen guten Freund besuchen wollte. Der war nur nicht zu Haus und die Handynummer passte nicht mehr. Tja, Pech. Im örtlichen Schnellrestaurant hab ich den nächsten Schauer ausgesessen, verpflegt, ausgeruht und die Entscheidung getroffen, kein Nachtlager wild aufzuschlagen sondern den Ritt nach Haus anzutreten. Da war´s etwa 15:00 Uhr.

Also drauf auf die A7 und Stoff. . . . Bin ich froh, dass am Sonntag kaum Tonner fahren, denn die Berge da haben Länge und reduzieren massiv Geschwindigkeit. Mehr als 80 war bergauf nicht drin.
Am Rastplatz Uttrichshausen bin ich dann runter, Regenkombi wieder anziehen... Und Sprit auffüllen, wenn ich eh schon da bin. 8 Liter haben reingepasst. Spaßbefreit teuer war´s auch. Autobahntanken fällt ab sofort und für immer flach.

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Nuja und dann war da auch noch diese glorreiche Baustelle, die mich dazu brachte die Abfahrt 94 zu benutzen und meinen Weg durch die Röhn in Richtung Heimt fort zu setzen.

Die liebe Bundeswehr hat mir dann erstmal einen Streich gespielt und einfach ihren Truppenübungsplatz für zivile Kräfte gesperrt. Musst ich doch tatsächlich drum herum fahren. Sowas aber auch. Es fühlte sich durchaus seltsam an, erstmal wieder Richtung Norden zu rollen, aber die Strecke war gespickt mit Serpentinen und tollen Landschaften. Der Regen hatte auch wieder aufgehört - aber die Kombi lies ich rein aus Trotz noch eine Weile an.
Erst nach Bischofsheim an der Röhn in einem kleinen Tal, am Burgwallbacher Badesee, kam sie runter, es war einfach wieder zu warm; und baden ohne See ist ölbern.

Nach Neustadt an der Saale ging´s nach Mellrichstadt. Die Tour führte weiter durch´s Rhöner Grabfeld. Die Ortschaften sind eng, verwinkelt, haben viel Fachwerk - romantisch gepflegt bis verfallen - alles dabei. Durchaus interessant zu durchfahren und zu erkunden.

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In Rappershausen (Warnschild "Wolfsgebiet" am Ortseingang) fand ich dann nochmal eine kleine Denkwürdigkeit.

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Der Blick nach Nord - in´s ehemalige Sperrgebiet... Bin ich froh, dass das vorbei ist. Vor 1989 wäre diese Tour schlichtweg unmöglich gewesen.
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Da hat´s dann wieder zu tropfen angefangen - denen bin ich aber flugs davon gesaust. Die Regenkombi hab ich auch nimmer ausgepackt, den Tag.
Über Bad Königshofen im Grabfeld führte mich der Weg wieder durch die Haßberge. Einen kleinen Stop am Ellerthäuser Stausee hab ich mir dann trotz trübseeliger Wolken doch noch gegönnt.

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Da war´s dann schon gegen 20:00 Uhr. Trotzdem hat auf dem eigentlichen Parkplatz noch einer seinen Rausch ausgeschlafen. Sachen gibbet! Mich führte mein weg weiter nach Hofheim in Unterfranken und von aus nach Königsberg in Bayern. Da habe ich noch schnell die Burg heimgesucht und den Blick nach Nordwest gewendet. Am Horizont waren die Höhenlinien der Röhn erkennbar, die ich vorher erleben durfte. Über Krum gings nach Zeil am Main, wo ich mich mit Blick auf die Uhr auf die Autobahn geklemmt hab.

Gegen 22:00 Uhr war ich dann wieder zu Hause.
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Ich muss zugeben, viel länger hätt ich nicht mehr fahren wollen. Vielleicht greif ich die Sitzbank doch nochmal an.

Jetzt gibts noch ne schnelle Kettenputzaktion und neue Seitentaschen kommen auch demnächst. So ein paar Transportkapazitäten brauch ich dann doch standartisiert an der Felsberg. Die aktuellen Seitentaschen waren zu klein und leider ihr Geld nicht wert.

Ach so - Die Felsberg hat weiter nix. Ist brav gefahren, hoch und runter - Topspeed ist 113. Dann macht der Begrenzer zu, das Übel, dass ich für das 49er Ritzel in Kauf nehmen muss. Reicht aber zum vernünftigen Autobahn fahren, ohne direkt ein Verkehrshindernis zu sein.

Mal gucken, wo´s das nächste Mal hingeht!

Nachtrag: Beim neu schmieren hab ich entdeckt, dass die Kette (macht sie so alle paar tausend Km) auf´m Hauptständer schleift. Hab ich also flugs nachgestellt; waren wohl doch ein paar arge Belastungen fürs Material unterwegs dabei.
 
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